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  Carrisi, D. - Der Todesflüsterer 22.10.2018 14:24 (UTC)
   
 

Mordgelüste, vom Teufel geflüstert

Carrisi, Donato - Der Todesflüsterer

  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Piper (Februar 2010)
  • Preis: 9,95 Euro (D)
  • ISBN-10: 3492257704
  • ISBN-13: 978-3492257701

Der Autor

Donato Carrisi ist in Deutschland noch nicht besonders bekannt. Auch beim Googeln findet man kaum deutschsprachige Links mit seiner Biographie. Das wird sich bestimmt ändern, wenn er nach seinem Durchbruch mit „Der Todesflüsterer“ (Originaltitel: Il Suggeritore), der bereits zu Beginn 2010 in elf Sprachen übersetzt wurde, noch weitere erfolgreiche Romane auf den Markt bringen wird.

Donato Carrisi wurde 1973 in einem Dorf in Apulien geboren und lebt und arbeitet heute in Rom. In seinem beruflichen Werdegang findet man folgende Meilensteine: Jurastudium mit Schwerpunkten Kriminologie und Verhaltensforschung, Anwalt, Drehbuchautor für Film und Fernsehen. Und nun vielleicht angehender weltweit bekannter Bestsellerautor…

Mein Eindruck

Es werden fünf Arme gefunden. Abgetrennte linke Arme von kleinen Mädchen. Bei der Spurensicherung wird jedoch ein weiterer grausamer Fund gemacht – ein weiterer, sechster Arm. Es gibt aber zunächst keine passende Person. Es wird bislang in den Vermisstenfällen von genau fünf kleinen Mädchen ermittelt. Also hat der Mörder noch öfter zugeschlagen, als erwartet.

Das Team um Hauptkommissar Roche, Professor Goran Gavila und erfolgreiche Polizistin Mila Vasquez, die als "externe Beraterin" von einer anderen Dienststelle angefordert wird, ermitteln in diesem brutalen Fall und stoßen dabei auf immer mehr unerwartete Grausamkeiten...

Am Anfang verspricht der Roman, spannend zu werden. Die Handlung ist interessant aufgebaut und entwickelt sich rasch. Erst scheint der Fall glasklar zu sein, allerdings finden die Ermittler schnell die Ungereimtheiten, die darauf hin deuten, dass nur die einzelnen Puzzleteile entdeckt werden. Leider hatte der Autor Donato Carrisi wohl Schwierigkeiten, die Puzzleteile selbst lückenfrei zusammenzufügen. Je weiter  sich die Handlung entwickelt, desto verworrener wird sie. Manche Entwicklungen sind sehr gut gelungen, andere dagegen scheinen nur irgendwie zurechtgeflickt zu sein  und rücken den Krimi in meinen Augen in ein Licht der Unglaubwürdigkeit. Zum Schluss gingen dem Autor die Ideen wohl ganz aus, werden doch übersinnliche Kräfte zur Hilfe genommen, um Licht in die verzwickten Mordfälle zu bringen.

Auch sind die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln teilweise sehr rissig und verwirrend. Der Roman scheint im Nirgendwo zu spielen, die einzige Ortsangabe ist „Ein Ort in der Nähe von W.“, ganz am Anfang, als die fünf Mädchenarme gefunden werden. W., wie Woanders und doch überall, die Namen der Ermittler, der Täter und der Opfer lassen nicht mal einen Rückschluss auf die geografische Einordnung beschränkt auf ein Land oder eine Kultur zu. Es könnte also überall passiert sein, im Nachwort erwähnt Carrisi auch, dass die beschriebenen Mordfälle auf wahren Begebenheiten basieren. Leider wirkt der Roman teilweise etwas reißerisch, und das liegt meist an Kleinigkeiten: dass eine Ermittlerin in voller Dunkelheit mit ausgeschalteten Scheinwerfern und nur mithilfe eines Navigationsgeräts einen Waldweg entlang lenken kann, ist doch sehr utopisch.

Es gibt natürlich auch gute Ansätze in diesem Buch, zum Beispiel die Ausarbeitung der Charaktere der Ermittler. Mila Vasquez birgt ein dunkles Geheimnis aus ihrer eigenen Vergangenheit, das ihr dabei hilft, bei der Suche nach vermissten Kindern Feuer und Flamme zu sein. Gleichzeitig ist sie aber sehr verletzlich trotz ihrer harten Schale und scheint zudem psychisch labil zu sein, was sie wiederum glaubwürdig und menschlich macht, kein unfehlbarer mächtiger Superermittler mit Röntgenblick und Superhirn, sondern „nur“ jemand, der in seinem Beruf erfolgreich und motiviert ist.

Der Grundgedanke dieses Krimi-Thrillers ist nicht schlecht, der Versuch des Autors, zu zeigen, dass das Böse in jedem stecken kann, und dass auch ein Mensch, der nach außen ehrlich, nett und aufrichtig sein scheint, womöglich ein düsteres Geheimnis hütet. Die fehlenden Ortsangaben und die zusammengewürfelten Namen verschiedener Völker sollen den Grundgedanken noch verdeutlichen: das Böse ist überall, „Gott schweigt, der Teufel flüstert“. Allerdings hätte man aus der Story viel mehr machen können, ohne auf spirituelle Kräfte oder auch langwierige Beschreibungen irgendwelcher hochmoderner technischer Blutspurenerkennungsmethoden zurückgreifen zu müssen. Der Autor scheint zu viele Ideen für einen großen Fall, der wie Spinnenbeine weitere Grausamkeiten mit sich zieht, gehabt zu haben, leider scheitert es an der Umsetzung. Bei manchen Ermittlungssträngen ist der Autor offensichtlich selbst durcheinandergeraten, es ist für den Leser nicht leicht, zu folgen. Den Schluss kann man schon nach etwa zwei Dritteln des Buches erraten, das Ende des Romans ist aber trotzdem sehr knapp gehalten.


»Ein Stern ist geboren. Ein Thriller-Schreiber, der so gut ist wie seine amerikanischen Vorbilder.« - so ein Zitat von Il Sole 24 Ore. Leider hat der Roman aber genau die gleiche reißerische Art, wie die amerikanischen Vorbilder, ich wünsche mir lieber glaubwürdige, realitätsnahe Thriller.

Meine Bewertung


(von fünf)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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