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  Schorlau, W. - Das München-Komplott 19.12.2018 14:04 (UTC)
   
 

Künstlerische Freiheit oder schockierende Wahrheit?

 Schorlau, Wolfgang - Das München-Komplott

  • Broschiert: 334 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; 1. Auflage (23. November 2009)
  • ISBN-10: 3462041320
  • ISBN-13: 978-3462041323

Der Autor

Wolfgang Schorlau (geboren 1951 in Idar-Oberstein), früher als Manager in der Computerindustrie tätig, lebt und arbeitet in Stuttgart. "Das München-Komplott" ist bereits sein fünfter Roman um den Ermittler Georg Dengler. Für den zweiten Krimi dieser Reihe wurde Wolfgang Schorlau 2006 mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet. Außer der Dengler-Reihe ist Schorlau beispielsweise für seinen Istanbul-Roman "Sommer am Bosporus" bekannt.

Mein Eindruck

Die Ermittlung um das Attentat auf der Theresienwiese 1980 ist bereits der fünfte Fall des Privatdetektivs und ehemaligen BKA-Beamten Georg Dengler, den der Autor Wolfgang Schorlau zu Papier brachte.
Ich stieg jedoch "unvorbelastet" in die Erzählung ein, da ich den Autor und die Dengler-Serie vorher nicht kannte.

Georg Dengler wird vom Bundeskriminalamt - seinem ehemaligen Dienstherrn - beauftragt, in einem Attentat zu ermitteln, das vor knapp 30 Jahren verübt wurde. Den Bombenanschlag (damals sprach man noch nicht vom Terror) auf der Wies'n, auf dem berühmten Münchner Oktoberfest also, kennt heutzutage zumindest von der jüngeren Generation nicht jeder. Damals wurden die Ermittlungen ziemlich schnell abgeschlossen. Darauf baut "München-Komplott" auf: ist die Einzeltäter-Theorie wirklich die Wahrheit? Wollte man schnell einen Verantwortlichen finden, um mangels öffentlichen Interesses eine Decke des Vergessens über den Fall auszubreiten? Oder versuchte man gar, etwas zu vertuschen?

Die Erzählung spielt im Sommer 2009 und ist somit wirklich realitätsnah. Von Schweinegrippe über Finanzkrise, bis hin zur bekannten Dienstwagenaffäre einer ebenso bekannten SPD-Politikerin.
Trotzdem ist - zum Glück - nicht die gesamte Handlung auf Tatsachen gestützt. Die Grenze zwischen der künstlerischen Erfindung und den reellen Ereignissen (die teilweise angeblich aus den offiziellen Akten stammen und dem Schriftsteller durch zwei Polizeibeamte überreicht wurden - heißt es im Nachwort) verwischt jedoch und verleitet zum Nachdenken.

Ist es nur so, dass man die teils schockierenden Behauptungen nicht glauben will, weil man die Wahrheit nicht wahrhaben kann? Oder ist es die Intention des Autors, durch die "aufgemotzten" Fakten, verflochten mit der fiktiven Geschichte, den Leser zum Nachdenken zu bringen?
Das Buch liest sich trotz des doch sehr trockenen Schreibstils sehr flüssig. Ich habe die kompletten 334 Seiten auf einmal gelesen, so sehr hat die Geschichte gefesselt. Der Roman verleitet auf jeden Fall zum Nachdenken. Durch das Nachwort des Herrn Schorlau "Finden und Erfinden" grenzt der Autor zwar die Wahrheit und die Fiktion teilweise voneinander ab, trotzdem bleiben die Grenzen schwammig.

Die komplette Geschichte erinnert etwas an eine Verschwörungstheorie - man kann die Fakten und die Fiktion immer so zurechtflechten, dass es nach einer glasklaren Theorie aussieht.

Der Roman ist durch klar strukturierte Handlung sowie realitätsnahe Figuren, die genauso wie jeder von uns auch ihre Schwächen haben und dadurch sehr real wirken, ein gelungenes Werk Schorlaus. Es ist keine leichte Lektüre, die man aus Langeweile liest, man muss sich mit dem Geschriebenen auseinandersetzen - und genau das ist wohl die Absicht des Autors: die dramatischen Fakten vorzuzeigen und die Leserschaft zum Nachdenken zu bringen. Die "Hausaufgabe": anschließend eine eigene Grenze zu ziehen, was in diesem Buch wahr und was erfunden ist, eigene Schlüsse daraus zu ziehen und die Wahrheit nicht nur deswegen nicht wahrzunehmen, weil sie schockieren könnte.

Die Handlung wird nicht nur aus der Sicht Denglers geführt, auch andere Charaktere werden aus der Ich-Perspektive beleuchtet. Das macht die Geschichte weniger starr, lockert die teilweise sehr ins politische Detail gehende Erzählung auf. Negativ anzumerken bleibt noch, dass die Geschichte vor allem zum Schluss hin stellenweise zu "amerikanisch" wirkt, viel Blut und Brutalität. Jeder jagt jeden? Nicht etwa in einem USA-Thriller, sondern mitten in Deutschland.

Ich stufe das Buch auf jeden Fall als lesenswert ein, allerdings nur für jemanden, der eine ernsthafte, nachdenklich stimmende, teilweise doch sehr politisch angehauchte Lektüre wünscht.

Meine Bewertung



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