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  Pleva, T. - Gottesopfer 26.05.2018 09:38 (UTC)
   
 

Hexenhammer aktuell

Tanja Pleva - Gottesopfer

  • Broschiert: 332 Seiten
  • Verlag: Piper; 2. Auflage (Juli 2010)
  • ISBN-10: 3492258670
  • ISBN-13: 978-3492258678

Die Autorin:

Tanja Pleva (*1965) ist Tochter des Schauspielers Jörg Pleva. Bedingt durch das "Nomadenleben" ihres Vaters gewohnte sie sich schon als Kind so an den ständigen Wohnortwechsel sodass sie sich auch als Erwachsene als "ruhelose Seele" bezeichnet. Ständiger Wechsel der Handlungsorte gehört auch in ihrem Debütwerk "Gottesopfer" zum Schreibstil. Heute lebt Tanja Pleva mit ihrem Mann, zwei Kindern und vielen Hunden und Katzen in Kolumbien.

Mein Eindruck:

Eine europaweite Mordserie ist der aktuelle Fall des erfahrenen Europol-Ermittlers Sam O’Connor, jedoch der erste Fall der dem Leser präsentiert wird.
Die Verbindung zwischen den Morden ist nicht nur die unmenschliche Vorgehensweise des Täters – mehrere Frauen werden bei lebendigem Leibe verbrannt, sondern etwas verbindet alle Opfer: alle sind weiblich und alle hatten etwas mit mysteriösen, spirituellen Dingen zu tun.
Die Ermordung an sich scheint ebenfalls ein Ritual zu sein, die Art und Weise erinnert sofort an die Hexenhinrichtungen im Mittelalter.
Ist hier ein religiöser Fanatiker am Werk oder ist die Hexenhammer-Spur doch zu weit hergeholt? Immerhin mordet der Täter europaweit. Was bewegt jemanden, bestimmte Frauen in Salzburg, Rom und weiteren europäischen Städten umzubringen, nur weil diese etwa Tarot-Karten gelegt oder als Medium bei spirituellen Sitzungen gewirkt haben?..


Eins vorweg: passend zum Thema ist der Roman mysteriös und übersinnlich angehaucht. Ob Hypnose oder gute beziehungsweise schlechte Geister, die einer jungen Frau etwas zuflüstern – das sind Dinge, die man als Leser so hinnehmen muss. Wer also absolut nichts mit dem Übersinnlichen anfangen kann, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen, denn es wird ihm nicht gefallen, da diese Sachen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman ziehen.
Wenn man jedoch Mystik mag, wird man Gefallen an diesem Roman finden, wenn es auch auf den ersten Blick etwas befremdlich wirkt, dass solche surrealen Elemente in einen Kriminalfall eingebaut wurden.

Tanja Pleva ist ein spannendes Erstlingswerk gelungen. Tiefe Einblicke in O’Connors' Leben lassen vermuten, dass es kein einzelnes Buch bleiben soll, sondern vielleicht zu einer Serie wird. Neben den Ermittlungen in diesem kniffligen Fall hat O’Connor auch noch zwei persönliche Schicksalsschläge, den Verlust von Menschen, die ihm viel bedeuten, zu verarbeiten. Da ist es fast selbstverständlich, dass zum Ausgleich die Entwicklung einer Liebesgeschichte zwischen dem Ermittler und einem potentiellen Opfer nicht fehlen darf…

Aber auch andere Charaktere sind ganz gut ausgearbeitet. Selbst der Täter ist von Anfang an allgegenwärtig, obwohl natürlich erst zum Schluss verraten wird, wer dieser Mörder ist. Er taucht ganz nebenbei immer wieder auf – ich persönlich habe vermutet, wer das sein könnte, aber die genauen Beweggründe erfährt man erst am Schluss, auch wenn diese Stück für Stück als Rückblick auf die Lebensgeschichte eines kleinen Jungen ab 1985 zwischen die einzelnen Kapitel geschoben werden, sodass man sich nur denkt „Ist es der, den ich vermute?“, zum Schluss aber dennoch einen Aha-Effekt erlebt, da erst dann klar wird, was den Täter dazu bewegt hat, zu töten.

Durch die zwar unaufdringlichen, aber sehr präzisen Beschreibungen fühlt man sich als Leser mitten im Geschehen: bei der Hypnosesitzung, in einer Hamburger Kirche, am Tatort…

Mir sind zwar ein paar geringfügige Handlungsfehler, z.B. bei den Ermittlungen, aufgefallen, als Debütautorin sei es aber der Frau Pleva verziehen.

Die bereits erwähnte mystische Note, existiert in der Handlung nur nebenbei – klar gibt es auch in der Realität Menschen, die an Tellerrücken oder sonstigen spirituellen Sitzungen teilnehmen und auch an alles glauben, was sie dort erleben, oder auch was die bösen Geister angeht, kann es nur die Einbildung der betroffenen Person sein. Dass allerdings übersinnliche Kräfte eine große Rolle bei der Aufklärung des Falls spielen, ist extrem ärgerlich. Das rückt den kompletten Roman in die Märchen-Ecke. Aber ein Märchen, wenn auch ein böses Märchen, ist für mich nicht mit einem Kriminalfall und nicht mit dem Thriller-Genre vereinbar.

Fazit: Eine interessante und spannende Geschichte, lebendige Charaktere und ein ungewöhnliches Tatmotiv schaffen zwar einen durchaus lesenswerten Roman, den Schluss – zumindest was die Auflösung des Falls angeht – hätte ich mir aber anders gewünscht. Der Roman ist nicht besonders lang und durch die konstante Spannung, häufige Ortswechsel und interessante Figuren hat man die kurzweilige Lektüre schnell durch.
Die übersinnlichen Dinge, die den Fall im Endeffekt auflösen, zeugen jedoch von Auswegslosigkeit, da der Autorin anscheinend keine natürliche Aufklärung durch den doch sehr tüchtigen Ermittler eingefallen ist, und das zieht leider die komplette Story in meinen Augen etwas runter.

Meine Bewertung:


(von fünf)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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